DAS LICHT SCHEINT IN
DER FINSTERNIS UND DIE FINSTERNIS HAT´S NICHT ERGRIFFEN. Johannes 1.5
Freundeskreis Ndolage Freundesbrief Nr.2-2003
Ndolage Hospital P.O.Box 34
Kamachumu
Kagera-Region
Tanzania
26.11.2003
Liebe Freundinnen und Freunde Ndolages!
Kürzlich haben wir einen sechsjährigen Jungen, nennen wir ihn Robert,
nach Hause entlassen. Im Juni war er beim Spielen in eine brennende Abfallgrube
gefallen und hatte sich schwerste Verbrennungen an beiden Beinen zugezogen.
Robert wurde zunächst einen Monat lang in einer nahen Gesundheitsstation
behandelt. Täglich wurden sorgfältig Verbandswechsel durchgeführt, aber niemand
traute sich, das abgestorbene Gewebe zu entfernen, und niemand dachte an die
Notwendigkeit einer krankengymnastischen Behandlung. Als er schließlich zu uns
kam, waren beide Beine in Knie- und Hüftgelenken gebeugt und eingesteift, bis
oberhalb der Knie waren die komplette Haut, ein Teil der Knochen, Nerven und
Muskeln abgestorben und der Knochen eiterte an mehreren Stellen. Wir versuchten
zunächst, die Beine zu retten, aber die Verbrennungen reichten zu tief und als
die Giftstoffe aus den Beinen Robert in Lebensgefahr brachten, musste auch die
Mutter sich damit abfinden, dass sein Leben nur durch eine Amputation oberhalb
der Kniegelenke zu retten war.
Uns alle hat das Schicksal von Robert bewegt und wir danken allen
Unterstützerinnen und Unterstützern. Die alleinerziehende Mutter von Robert hat
sich durch Handel einen für hiesige Verhältnisse (bescheidenen) Wohlstand
aufgebaut. Aber die Kosten für den dreimonatigen Aufenthalt in Ndolage (340,- Euro Gesamtgebühren für die
medizinische Behandlung, Lebenshaltungskosten für Mutter und Kind, keine
Möglichkeit, während dieser Zeit Geld zu verdienen) und für die einmonatige
Vorbehandlung in der Gesundheitsstation hätten zur vollständigen Verarmung der
Familie geführt. Dank der Spenden, die inzwischen bei uns eingegangen sind,
konnten wir der Mutter anbieten, dass sie nur 40,- Euro bezahlen muss und der
Rest von unserem Poor-Patients-Fund übernommen werden konnte. (Robert ist der
Patient, der die höchste Unterstützung bekam, bei den anderen Patienten lagen
die Beträge zwischen 20 und 100 Euro.) Wir sind froh, dass Robert nicht aus
einer der „ärmsten der armen“ Familien hier stammt, denn in der Landwirtschaft
wird er nie mehr arbeiten können. Seine Perspektive wäre dann, in der Ecke
einer Lehmhütte auf Kosten der Verwandtschaft zu leben oder sein als Bettler in die Stadt zu gehen. Roberts
Mutter macht auf uns den Eindruck, dass sie es schaffen wird, für ihren Sohn
eine ausreichende Schulausbildung sicherzustellen, so dass er eine Chance hat, sein
Leben später in die eigenen Hände zu nehmen.
Eines der größten Probleme ist der Teufelskreis von Armut und
Krankheit. Weil den meisten Menschen auch das wenige Geld fehlt, das hier zur
Behandlung der meisten Erkrankungen ausreichend ist, werden viele Erkrankungen
verschleppt, es kommt zu Einnahmeausfällen und Verarmung und auch zu vielen
vermeidbaren Todesfällen. Am deutlichsten wird dieser Zusammenhang bei uns an der
Krankheit, die vor genau 20 Jahren das erste Mal in Ndolage diagnostiziert
wurde: AIDS.
Menschen, denen wir nach einem AIDS-Test mitteilen müssen, dass sie HIV-positiv sind, können wir zwar
soziale Hilfen vermitteln und eine Behandlung der Komplikationen dieser Krankheit
anbieten, jedoch keine ursächliche Therapie. Da es hier kaum jemanden gibt, der
nicht nahe Angehörige nach langem Siechtum durch AIDS verloren hat,
verschließen viele die Augen vor dieser Diagnose. Wenn dann die Erkrankung
auftritt, fallen oft die Hauptverdiener der Familie aus und das gesamte
Vermögen der Familie wird in deren Versorgung investiert. Letztendlich bleibt
eine verarmte Familie zurück, in der sich das älteste Kind oder die Großeltern
um die jüngeren Geschwister kümmern müssen.
Bedrückend war diese Situation schon immer, aber jetzt kann sie noch
weniger akzeptiert werden. Wenn Menschen aus unserer Gegend einmal die
Gelegenheit haben, im Fernsehen HIV-infizierte Menschen z.B. aus Deutschland zu
sehen, dann staunen sie oft darüber, dass diese äußerlich gesund aussehen.
Diese Menschen haben Zugang zu Medikamenten, die es ihnen ermöglichen, noch über viele Jahre ein
normales Leben zu führen. Durch den Einsatz vieler Menschen ist es nun
gelungen, dass weltweit die wichtigsten dieser „antiretroviralen“ Medikamente
zu bezahlbaren Preisen erhältlich sind.
Die Preise liegen in Tanzania pro Tag bei einem Euro.
Wir wollen im nächsten Jahr mit dieser Therapie beginnen. Zunächst soll
allen Schwangeren, die Ndolage zu Vorsorgeuntersuchungen aufsuchen, die
Möglichkeit zu einem Test gegeben werden. Bei Infektion sollen sie dann
medikamentös behandelt werden, um eine Infektion ihrer Kinder während der
Geburt zu verhindern und sie gleichzeitig in die Lage zu versetzen, ihre Kinder
bei guter Gesundheit noch über viele Jahre begleiten zu können. Falls es im
Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten liegt, sollen auch die anderen
Familienmitglieder mitbehandelt werden. Dieses Programm soll kostenlos
erfolgen. Die Behandlung soll auch (gebührenpflichtig) Menschen angeboten
werden, die entweder selbst über genügend finanzielle Mittel verfügen oder die
z.B. von ihrer Dorfgemeinschaft unterstützt werden.
Nun ist es leider nicht damit getan, allen Infizierten täglich eine
Sammlung von Tabletten in die Hand zu drücken. Die Medikamente haben teilweise
erhebliche Nebenwirkungen, eine unregelmäßige Einnahme führt zum
Wirkungsverlust. Die soziale und psychologische Problematik dieser Infektion
ist ja hinreichend bekannt. Unser erster Schritt ist es deshalb, im Januar mit
Unterstützung der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal zwei erfahrene
Mitarbeiter/innen von Ndolage, einen Arzt und eine Krankenschwester für eine
dreimonatige Hospitation in ein kenianisches Hospital zu senden, das in diesem
Bereich schon tätig ist. Ab April sollen dann die letzten Vorbereitungen folgen
und Mitte des Jahres mit der Therapie begonnen werden.
Wir sind sicher, dass diese antiretrovirale Behandlung einen wichtigen
Beitrag leistet, um die Spirale der Armut zu durchbrechen. Heute sterben nach
einer teueren Ausbildung viele der qualifizierten jungen Menschen, die für die
Zukunft des Landes dringend benötigt werden. Wir müssen auch verhindern, dass
die Zahl der Waisenkinder ins unermessliche steigt. Wir beten dafür, dass
Fälle, wie die folgenden bald der Vergangenheit angehören:
Die 25-jährige Mutter, die am Ende ihrer Schwangerschaft
unbeherrschbaren Infekten erliegt.
Die 12-jährige, die schon seit vielen Jahren immer wieder von schweren
fieberhaften Infekten mit Durchfall heimgesucht wird und nach einem langen
Leidensweg auf unserer Intensivstation verstirbt.
Der 45-jährige Familienvater, der mit Vereiterungen des Brustkorbes
gezwungen ist, das gesamte Vermögen seiner Familie für die Behandlung der Komplikationen
seiner AIDS-Infektion zu verbrauchen.
In der Hoffnung:
„Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat´s nicht
ergriffen.“
Wünschen wir Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!
Dr. Onesmo Rwakyendela, Chefarzt Dr.
Frank Beier, Chirurg
Spendenkonto: Vereinte Ev. Mission, Evangelische Darlehngenossenschaft
Münster, BLZ 400 601 04, Konto-Nr.: 563 701, Verwendungszweck: Kennwort
Ndolage-NWD und komplette Adresse für die Spendenbescheinigung (Wenn die
Adresse nicht unter „Verwendungszweck“ steht, wird sie nicht übermittelt!) PS:
Daueraufträge geben uns eine größere Planungssicherheit
Kontakte:
Krankenhauszentrale: ndolage@mail.bukobaonline.com
Dr. Onesmo Rwakyendela: Onesmor2000@yahoo.co.uk
Dr. Frank Beier: SilkeFrankB@web.de